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Stadtgeschichte

Büdingen – das ist, wie der berühmte Kunsthistoriker Richard Hamann vor achtzig Jahren gesagt hat, ein Gesamtkunstwerk. Wer durch das Jerusalemer Tor unsere Altstadt betritt, spürt, dass hier alles zusammen „passt“. Das alte Büdingen ist großenteils erhalten geblieben. Aus Armut! Wer weiß, was geschehen wäre, wenn die städtischen Kassen in den fünfziger und sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts voller gewesen wären!


Büdingen ist eine Stadt mit Geschichte, die nicht „entsorgt“ wurde, nicht dem „Fortschritt“ weichen musste, sondern in ihren Gebäuden „stehen geblieben“ ist. Mehr als anderswo jedenfalls: die Karlspforte zwischen Altstadt und Neustadt wurde im 19. Jahrhundert als Verkehrshindernis abgerissen.


Die Büdinger Geschichte wird nun in einer Skizze dargestellt. Mit Liebe, aber ohne Weihrauch. Vorab sei gesagt: bis ins hohe Mittelalter liegt vieles im Dunkeln – es mangelt an zuverlässigen Quellen. Sicher ist: Menschen leben und arbeiten an diesem Platz schon sehr lange. Mindestens seit viertausend Jahren. Denn 1983 wurde auf dem Eichelberg das Fragment eines jungsteinzeitlichen Pfluges gefunden. Das ist genau die Zeit, in der die Menschen anfingen, nicht nur zu jagen und zu sammeln, sondern Ackerbau und Viehzucht zu treiben. Keltenfürst


Aus dem 5. Jahrhundert vor Christus stammt die lebensgroße Statue eines Keltenfürsten, die vor wenigen Jahren am Glauberg ausgegraben wurde und 2002 im Mittelpunkt einer großen Frankfurter Ausstellung stand. Nicht nur die Statue, sondern auch mehrere Gräber mit hervorragend gearbeitetem Schmuck kamen ans Tageslicht. Wer solche Künstler beschäftigen konnte, musste einen hohen sozialen Rang haben. Für die Fachleute steht fest: der Glauberg war ein großes frühkeltisches Heiligtum, eine Stätte der Ahnenverehrung, vielleicht auch der Platz von Wettkämpfen und Festspielen. Büdingen – genauer: die Gegend, in der heute die Stadt Büdingen steht – ist in der Luftlinie nur sieben Kilometer entfernt und gehört sicher zum Einzugsbereich. Die Kelten, die das Land auf dem Eichelberg oder am Seemenbach bebauten, haben auf dem Glauberg ihre Feste gefeiert. Mineralogen sagen uns, dass die Fürstenstatue aus Büdinger Sandstein herausgehauen wurde – das ist ein Grund, weshalb Büdingen an der neu eingerichteten hessischen Keltenstraße liegt.


Als die Römer kamen, grenzten sie ihr Reich durch den Limes ab, der die fruchtbare Wetterau mit einem Schlenker einbezieht. Büdingen lag ein paar Kilometer außerhalb im „freien Germanien“. 260 nach Christus wurden die Römer von den Alemannen, einem germanischen Stamm, aus der Wetterau vertrieben Diese unterlagen 496 den Franken, die ein dauerhaftes Reich gründeten.


Remigiuskirche Und seit der Frankenzeit muß es eine Siedlung bei der Remigiuskirche gegeben haben – die Stelle heißt heute Großendorf, wie man sie damals nannte, wissen wir nicht. Die Remigiuskirche ist 1047 zu ihrer heutigen Gestalt umgebaut worden – das kann man an den Jahresringen der verwendeten Hölzer genau ablesen! Archäologen und Kunsthistoriker nehmen aber einen Vorgängerbau aus dem 8. Jahrhundert an – das wäre die Zeit Karls des Großen. Für dieses Alter spricht auch ihr Name. Der heilige Remigius war Bischof von Reims und taufte dort um 498 Chlodwig, den Gründer des Frankenreiches. Es gibt wenige Kirchen, die nach ihm benannt sind, und die gehen auf die Frankenzeit zurück. Wahrscheinlich wurde die Remigiuskirche von einem fränkischen Grundherrn als Eigenkirche errichtet, und zur benachbarten Siedlung gehörte ein kleines königliches Verwaltungszentrum. Bis 1495 war die Remigiuskirche Pfarrkirche, dann wurde sie in dieser Eigenschaft abgelöst durch die Marienkirche, die viel später in der Nähe des neuen Siedlungsschwerpunkts und der Herrenburg errichtet wurde. Das Gelände um die Remigiuskirche war sumpfig und deshalb als Bauland wenig geeignet, die Standortwahl also mißglückt. Darum errichteten die Herren ihre Burg nicht dort, sondern ein Stück weiter östlich, und Burgmannen, Handwerker und Bauern folgten. Der Ort „zog um“. Die Remigiuskirche lag nur ein paar hundert Meter entfernt, aber extra muros, außerhalb der Stadtmauern. Das war den Menschen des 15. Jahrhunderts der Straßenverhältnisse und der Wegelagerei wegen zu gefährlich!


Büdingen war keine freie Reichsstadt wie Gelnhausen, das nur den Kaiser über sich hatte, sondern eine kleine Residenzstadt. Herren der Stadt und eines kleinen Landes ringsherum waren zuerst die edelfreien Herren von Büdingen, denen seit der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts der hier eingerichtete Reichswald anvertraut war. Der Ortsname Büdingen taucht 847 zum erstenmal in der Wormser Bischofschronik auf, aber damit muss nicht unser Büdingen gemeint sein. Der Geschlechtsname von Büdingen ist seit 1131 belegt. Vor 1245 starben die Herren von Büdingen, die meist Hartmann oder Gerlach hießen, aus – in männlicher Linie. Vier Schwiegersöhne traten das Erbe an. Büdinger SchlossSo etwas geht selten gut. Zum Glück konnten die Isenburger, deren Stammsitz im Sayntal am Mittelrhein lag, das Erbe bald in ihrer Hand vereinen. Dieses Geschlecht „blüht“ noch heute, wie sich die Genealogen ausdrücken, und lebt im Büdinger Schloss. Die Isenburger spalteten sich in mehrere Linien, und die Residenzstadt war zeitweise im gemeinsamen Besitz mehrerer Linien, was ihr nicht unbedingt gut tat. Heute existiert außer der evangelischen Büdinger noch eine katholische Birsteiner Linie. Damit man sie leichter unterscheiden kann, schreiben sich die Büdinger seit längerem Ysenburg.


Historiker nehmen an, daß die ältesten Teile der ursprünglichen Wasserburg von denselben Baumeistern und Handwerkern errichtet wurden, die im benachbarten Gelnhausen für den Reichstag von 1180 Barbarossas Kaiserpfalz errichtet hatten. An dieser Herrenburg ist über Jahrhunderte weiter gebaut worden, und das macht gerade ihren Reiz aus. Seit langem nennen ihre adligen Besitzer sie Schloss.


An die Burg schloss sich zwischen den Armen des Seemenbachs die neue Siedlung an. Wann sie Stadt wurde, weiß man nicht. 1287 und 1321 wird sie so genannt. Wahrscheinlich hat es nie eine ordentliche Stadtrechtsverleihung gegeben. Man hat einfach registriert, dass der Ort Stadtfunktionen für das Umland gewonnen hatte. Mit einer schönen Urkunde verleiht dagegen Kaiser Ludwig der Bayer Büdingen 1330 das Marktrecht, eine wichtige zentrale Funktion. Aus dem Jahr 1353 stammt der erste Freiheitsbrief Heinrichs II. von Ysenburg für seine Stadt. Er befreit damit die Bürger von den Abgaben und Lasten, die das umliegende Land zu tragen hat, insbesondere von Bede und Frondiensten. Gegen eine jährliche Pauschale von 80 Pfund Hellern erhält die Kommune Steuerfreiheit. Vom eigenen Wein will der Stadtherr jährlich vier Fuder, das sind knapp 40 Hektoliter, in den städtischen Gaststuben an den Mann bringen. Die Urkunde regelt auch den Wachdienst, die Aufnahme neuer Bürger und anderes. Der Büdinger Historiker Dr. Klaus Peter Decker vermutet einen Zusammenhang mit der furchtbaren Pestepidemie, die um 1350 einen großen Teil Europas heimsuchte und fast menschenleer machte: vielleicht wollte Heinrich seine Stadt für Zuzügler attraktiv machen. Solche Freiheitsbriefe, die den ersten im wesentlichen bestätigten, stellte jeder neue Stadtherr bis 1805 aus.


Bollwerk: Zur Zeit des ersten Freiheitsbriefs bestand Büdingen nur aus dem Teil, der im engeren Sinn „Altstadt“ genannt wird und von der Straße gleichen Namens durchzogen wird. Wenige Jahrzehnte später aber kommt der Teil hinzu, der „Neustadt“ genannt wird. Länger als vierhundert Jahre hat Büdingen zwei Bürgermeister, je einen für die Altstadt und für die Neustadt! Eine mittelalterliche Stadt ist nicht immer, aber meist befestigt. Sie bietet ihren Bewohnern und dem Umland auch in Kriegszeiten einen gewissen Schutz. Die ältere Büdinger Stadtmauer stammt von 1353/1390. Davor aber legte Graf Ludwig II. zwischen 1480 und 1510 einen mächtigen Mauergürtel mit 22 Türmen und „Halbschalen“, der vollständig erhalten ist und den besonderen Reiz der Rathaus von 1458Stadt ausmacht. Das Jerusalemer Tor, der Rote und der Grüne Turm, das Große Bollwerk, der Hexenturm und der Folterturm gehören dazu. Eine eigene Büdinger Bauhütte unter der Leitung von Hans Kuhn hat dieses großartige Werk geschaffen. Der Bau des schönen spätgotischen Rathauses von 1458 war eine Sache der Bürger. Der Bau der Festung aber hätte sie völlig überfordert, er war ein herrschaftlicher Akt. Auch die Mittel des Grafen hätten dafür eigentlich nicht ausgereicht. Dr. Klaus Peter Decker nimmt deshalb an, daß dem Grafen nach Beilegung der Mainzer Stiftsfehde zusätzliche Mittel als Entschädigung zuflossen, die er hierfür verwenden konnte. Im Oktober 1505 sah Kaiser Maximilian sich das Werk auf der Durchreise an.


Der Bruder des Büdinger Grafen war Erzbischof von Mainz. Wenige Jahrzehnte später aber war Büdingen protestantisch. Die Stadt erlebte zwei Reformationen: 1543 setzten die Stadtherren lutherische Pfarrer ein, um 1600 erzwang der überzeugte Calvinist Graf Wolfgang Ernst den Übergang zum reformierten Bekenntnis. Cuius regio, eius religio – wem das Land gehörte, der bestimmte auch die Religion!


Zumindest in seinen Anfängen war der Dreißigjährige Krieg ein Religionskrieg. Für die Bevölkerung, die ihrer Arbeit in Frieden nachgehen wollte, bedeutete er Einquartierungen, Kontributionen, Behinderungen, Ausplünderungen, Quälereien durch die Truppen aller Kriegsparteien. Sie hielten sich an das Motto der Krieg ernährt den Krieg und besorgten sich mit Gewalt oder durch Androhung von Gewalt von der Bevölkerung alles, was sie brauchten: Nahrung für Mensch und Vieh, Wein und Schnaps, auch Geld. Der barocke Dichter Grimmelshausen, im benachbarten Gelnhausen geboren, hat in seinem Simplicissimus ein Lied davon gesungen.


Zu dem Unglück, das der Krieg über die Menschen brachte, kamen neue Pestwellen. 1632 fielen der Seuche in Büdingen 23 Menschen, 1635 gar 336 zum Opfer. Im benachbarten Gelnhausen notierte ein Schreiber, die Stadt werde durch die Pest „so wüste“.


Hexen- oder FolterturmEine weitere Plage schufen die Menschen, wie wir sagen würden, sich selbst: die Hexenverfolgungen. In Büdingen hatten sie 1562 begonnen und erreichten 1633/34 ihren Höhepunkt: 114 Frauen wurden hingerichtet, nachdem sie im Hexenturm“ gefangengehalten worden waren. Hexenprozesse hat es in großen Teilen Europas gegeben. Wenn es den Menschen schlecht ging, suchten sie nach Gründen. Bei der großen Pest von 1350 warfen sie den Juden Brunnenvergiftung im wörtlichen Sinn vor – obwohl die Pest keinen Unterschied zwischen Juden und Christen machte! Jetzt warf man vor allem Frauen vor, im Bunde mit dem Teufel Unheil über Mensch und Vieh zu bringen. Auch Frauen aus sehr angesehenen Familien, die Witwe eines Pfarrer, die Frau eines Gymnasialrektors zum Beispiel, waren unter den Opfern. Gefoltert oder von der Folter bedroht legten die Frauen die sinnlosesten Geständnisse ab; nur wenige widerstanden. Heute können wir es uns kaum vorstellen, aber es ist erwiesen: die Hexenprozesse wurden in Büdingen wie anderswo nicht in erster Linie von der Obrigkeit angeordnet, sondern von der Bevölkerung gefordert! Mit einem Machtwort stellte sie der Graf ein paar Jahrzehnte später kurzerhand ab. Die Bilanz des Dreißigjährigen Kriegs in zwei Zahlen: vorher lebten in Büdingen 300 Familien, nachher noch 75!


So überzeugte Demokraten wir auch sind, wir müssen gestehen: eher durch zähen Kampf um ein mühsames Dasein, Kampf um einmal gewonnene Rechte als durch Weitsicht und Großzügigkeit taten sich die Büdinger Bürger hervor. Die adligen Stadtherren waren ihnen da meist ein gutes Stück voraus. 1656 wandten sich die Ortsbürger gegen die Ansiedlung einer jüdischen Familie, weil man die eigenen Privilegien verletzt sah, 1688 gegen die Ansiedlung von Waldensern in den verödeten „Vorstädten“ Hinterburg und Großendorf, weil man um Holz- und Weiderechte fürchtete, 1712 gegen die Anlage einer neuen Vorstadt vor dem Jerusalemer Tor und ihre Besiedlung mit Hugenotten, Waldensern, Inspirierten, Pietisten und Wiedertäufern. Freie Bauplätze solle man an junge Leute aus der Bürgerschaft vergeben. 1656 und 1712 tat der Graf trotzdem, was er für richtig hielt. 1712 erließ er ein Toleranzedikt – gewiss auch in der Absicht, das Land mit wirtschaftlich aktiven Angehörigen religiöser Minderheiten, die anderswo fliehen mußten, zu peuplieren, zu bevölkern. Aber mit der Humanität war es ihm durchaus ernst; Büdingen war im frühen 18. Jahrhundert eine Freistatt des Glaubens.


Graf Ernst Casimir gestattete 1738 auch den Herrnhutern, sich wenige Kilometer vor der Stadt auf dem Berg, der seitdem Herrnhaag heißt, niederzulassen. Ein Nachfolger fand die Herrnhuter gar zu selbstherrlich, als Staat im Staate, und stellte sie kurzerhand vor die Wahl, sich der Obrigkeit zu beugen oder das Land zu verlassen. Sie verließen das Land, schneller, als sie gemusst hätten, nach Neuwied oder Pennsylvania.


Napoleon Napoleon fasste 1806 alle Isenburger Linien in der Hand des Birsteiner Fürsten zusammen, denn der hatte ihm eine Armee aufgestellt. Nach Napoleons endgültiger Niederlage bei Waterloo (1815) wurde die Stadt Büdingen wie das ganze Fürstentum Isenburg hessisch. Büdingen wurde Kreisstadt, Sitz eines Amtsgerichts und eines sich allmählich ins Berufliche erweiternden Schulwesens. Das Wolfgang-Ernst-Gymnasium, 1601 aus einer Lateinschule entwickelt, ist eines der ältesten Gymnasien in Hessen.


Nicht übergangen werden soll die Zeit des Nationalsozialismus, obwohl und weil Büdingen sich in ihr weder positiv noch negativ besonders hervorgetan hat. Der seit 1932 im Amt befindliche Bürgermeister blieb bis 1943 im Amt und agierte so korrekt, wie es möglich war, ohne sich mit den nationalsozialistischen Machthabern – dem Kreisleiter, dem Gauleiter – anzulegen. Der Gymnasialdirektor, einer liberalen Partei angehörend, wurde durch einen strammen Nationalsozialisten ersetzt, der gleichzeitig Kreisleiter war. Der gleichgeschaltete, nur noch aus Nationalsozialisten bestehende Stadtrat hatte wenig zu melden. Die Vereine wurden nach dem Führerprinzip umorganisiert. Die Gründung der Garnison feierte man als Erfolg für die wirtschaftlich schwach strukturierte Stadt. Die Büdinger Juden wurden auf die von oben verordnete Weise – durch Geschäftsboykott, behördlich angeordnete Schließung der Geschäfte, gesellschaftliche Diskriminierung behindert, belästigt, gequält – aber es gab auch „spontane“ Aktionen: man warf Juden die Fensterscheiben ein, ein Zivilist führte einen Juden unter falscher Beschuldigung auf die Polizeiwache. Nach und nach verließen die Büdinger Juden die Stadt; einige konnten rechtzeitig emigrieren, andere verzogen nach Frankfurt, weil sie sich in der größeren Gemeinschaft sicherer fühlten. In der „Reichskristallnacht“ im November 1938 war die Büdinger Synagoge bereits verkauft, die jüdische Gemeinde hatte sich aufgelöst – aber die noch verbliebenen Juden wurden auch hier misshandelt. Ein Metzgergeselle trieb eine sechzigjährige Jüdin durch die Schlossgasse und traktierte sie mit Fußtritten. Alles, was bislang über die Büdinger Juden bekannt ist, hat der Geschichtsverein im Band XVII der Büdinger Geschichtsblätter zusammengetragen.


Der zweite Weltkrieg griff in das Leben der Büdinger Familien wie das aller Deutschen ein. Viele junge und auch ältere Männer verloren ihr Leben. Zerstörungen durch Bombenangriffe aber gab es – trotz der relativen Nähe zu Hanau – kaum.


Der deutsche Kampfkommandant verließ Büdingen am 30. März 1945, einen Tag später marschierten die Amerikaner kampflos ein. In einem Gebäude, das die Büdinger heute noch die Militärregierung nennen, übernahmen sie das Kommando. Am 15. August ernannten sie einen Bürgermeister, das wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Leben kam allmählich wieder in Gang. Flüchtlinge aus den Ostgebieten trafen vor allem im Jahr 1946 ein. Die Aufbauleistung der Nachkriegsjahrzehnte bestand darin, Wohnraum, Arbeitsplätze (vor allem für die Flüchtlinge) und Infrastruktur zu schaffen.


Obwohl Büdingen seit altersher an wichtigen Handelsstraßen und seit 1870 immerhin an einer Nebenlinie der Eisenbahn lag, haben sich seine Bewohner nie leicht getan, ihren Lebensunterhalt zu finden. Lange Zeit war die Landwirtschaft die Basis – inklusive des Weinbaus, der bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts saure Tropfen hervorbrachte. Um 1400 waren Büdinger Tuchmacher auf der Frankfurter Messe vertreten, später spielte die Stadt in der Buchdruckerei eine wichtige Rolle. Aber größere wirtschaftliche Unternehmungen, ob sie nun vom Grafen oder von Privatleuten ausgingen, blieben meist ohne dauernden Erfolg und wurden wieder eingestellt – ein Eisenhammer im 17., ein Kupferbergwerk und eine Saline im 18. Jahrhundert, eine Glashütte um 1900. Die industrielle Revolution hatte in Büdingen Verspätung. Mit großen Unternehmerpersönlichkeiten kann die Stadt nicht aufwarten. Nach dem zweiten Weltkrieg verlegte die Akkumulatorenfabrik Sonnenschein ihren Hauptsitz hierhin. Obwohl inzwischen zu einem amerikanischen Konzern gehörend, hat sie den Standort nicht verlassen und ist die größte Arbeitgeberin am Ort. Das Fertighausunternehmen OKAL errichtete hier 1964 eine Produktionsstätte, reduzierte sie aber nach zwanzig Jahren auf einen bloßen Montagebetrieb, womit viele Arbeitsplätze verloren gingen. So sind es heute viele kleine und mittlere Unternehmen, die den Büdingern Arbeit geben, darunter auch so innovative wie die Advertising-Agentur subito; viele Arbeitnehmer aber pendeln täglich ins Rhein-Main-Gebiet.


Die Bevölkerungszahlen bewegten sich über die Jahrhunderte wenig. Kriege und Seuchen glichen den Geburtenüberschuss aus, und obendrein kehrten Arme, die keine berufliche Zukunft sahen, jahrhundertelang ihrer Heimat den Rücken. 1766 war Büdingen ein Zentrum der Auswanderung nach Russland, für die Katharina die Große warb, im 19. Jahrhundert zog es viele in die neue Welt. Dauerhaft nach oben entwickelte sich die Zahl der Einwohner nach dem zweiten Weltkrieg: Flüchtlinge und Vertriebene, Lehrer und andere Beamte kamen hinzu.


Im Jahre 1972 brachte die hessische Gebietsreform große Veränderungen: 14 Gemeinden wurden freiwillig, eine durch Landesgesetz in die Stadt Büdingen eingegliedert. Der Kreis Büdingen wurde großenteils mit dem Kreis Friedberg vereinigt. Weil Friedberg größer war, verlor Büdingen die Eigenschaft einer Kreisstadt. Heute hat es mit den eingegliederten Gemeinden mehr als 20 000 Einwohner.


StadtfuehrungenDie Büdinger sind sich ihrer Geschichte durchaus bewusst. Die Erhaltung der denkmalgeschützten Gebäude liegt ihnen am Herzen. Der Geschichtsverein hat eine hohe Mitgliederzahl und entfaltet vielfältige Aktivitäten – Vorträge, Exkursionen, vor allem die Herausgabe der Büdinger Geschichtsblätter und den Betrieb des Heuson-Museums im Rathaus von 1458. Groß ist das Interesse an den historischen Stadtführungen, die der Verein Eine Stadt spielt Theater seit einigen Jahren in jedem Sommer bietet. Möglich, dass Geschichtsbewusstsein die deutliche Skepsis der Büdinger gegenüber allem, was Kommunalpolitik tut und ankündigt, mit verursacht! Wenn Journalisten Büdingen gelegentlich als Fürstenstädtchen bezeichnen, tun sie den Bewohnern, die durchaus ihren eigenen Kopf zu gebrauchen verstehen, Unrecht. Aber richtig ist: die Ysenburger, 1840 vom Darmstädter Großherzog zu Fürsten erhoben, blieben in der Bevölkerung verwurzelt und erreichten in Gestalten wie Fürst Bruno im 19. und Fürst Otto Friedrich im 20. Jahrhundert eine hohe Popularität. Der große Zapfenstreich beim traditionellen Pfingstschießen findet in der Regel im Schlosshof statt.

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